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Verantwortungsvoll im Naturpark Nagelfluhkette unterwegs.

Frühsommertouren ins Alp- und Bergland: Naturgenuss mit Rücksicht

Schmetterlinge auf bunten Blumenwiesen, Jungvögel im Adlerhorst, Rothirsche und Gämsen, die ihren Nachwuchs großziehen – im Frühsommer explodiert in den Bergen des Naturparks das Leben. Für viele Wanderer und Mountainbiker kommt jetzt die schönste Zeit des Jahres. Das Aufatmen nach einem langen Winter lässt sich nicht nur in der Natur, sondern auch am eigenen Körper spüren. Meist beginnt es mit einem leichten Kribbeln, das sich über eine stetig steigende Unruhe zu einer gewaltigen Rastlosigkeit ausweitet. Und dann können wir einfach nicht mehr anders: Wir müssen wieder raus – hinauf auf den ersten Berg im neuen Jahr.

Für unsere Abenteuerlust werden wir reich belohnt. Beim Aufstieg verwöhnt uns das frisch sprießende Grün der laubreichen Bergwälder. Begleitet werden wir vom fröhlichen Zwitschern der Vogelmännchen, die ihre frisch besetzten Reviere markieren und um Weibchen werben. Und wenn wir in die Ferne blicken, bleibt unser Blick an den Zweitausendern hängen, deren Gipfel noch im winterlichen Weiß erstrahlen. Bei jedem Schritt blicken wir auf das sich erneuernde Leben – das von uns Respekt und einen verantwortungsvollen Umgang einfordert.

Da viele Wildtiere jetzt ein Leben für ihren Nachwuchs führen, versuchen wir, die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen. So bleiben wir für die Mütter und Väter in der Tierwelt berechenbar und werden nicht als Gefahr empfunden. Dass wir die Schutzgebiete respektieren, ist eine Selbstverständlichkeit. Gerade jetzt, während der Brutzeit und der Jungenaufzucht, sichern diese Rückzugsräume störanfälligen Tierarten das Überleben. Leben und leben lassen lautet die Devise – die übrigens auch für den Umgang mit anderen Sportlern und Erholungssuchende gilt.

Im Frühsommer kehren auch die Älpler mit ihrem Vieh in die Bergwelt des Naturparks Nagelfluhkette zurück. Abhängig von der Entwicklung der Vegetation treiben sie ihre Tiere zwischen Mitte Mai und Anfang Juni auf die Alpflächen. Hierbei wird vielfach noch die Stufenwirtschaft betrieben, bei der das Vieh zunächst auf den in den mittleren Höhen gelegenen Vorsäß-Alpen gehalten wird. Im Hochsommer erfolgt dann der weitere Auftrieb auf die Hochalpen.

Bei den Alpweiden handelt es sich um Flächen, die ursprünglich größtenteils bewaldet waren und schon vor langer Zeit von unseren Vorfahren gerodet wurden. Sie werden meist extensiv bewirtschaftet, das heißt, es werden keine Maschinen und kein zusätzlicher Dünger verwendet. Auch die Anzahl der weidenden Rinder ist klar begrenzt: Die Älpler kennen ihre Alpflächen sehr genau und achten darauf, dass sie optimale Lebensbedingungen für das Alpvieh bieten.

Wie wichtig die Alpwirtschaft für den Naturpark ist, belegen folgende Zahlen: Auf über 500 Alpen übersommern etwa 14.000 Jungrinder und fast 3.000 Milchkühe. Eine höhere Dichte an Alpen gibt im gesamten Alpenraum nicht! Während auf Galtalpen ausschließlich Jungrinder zum Übersommern aufgetrieben werden, finden sich auf Sennalpen auch erwachsene Milchkühe. Auf den Sennalpen werden die Kühe täglich gemolken, um daraus Käsesorten wie Bergkäse oder Weichkäse zu produzieren.

Eine leckere Käsebrotzeit nach einem anstrengenden Aufstieg – das gehört für viele Wanderer und Mountainbiker bei einem Besuch in den Höhenlagen des Naturparks einfach dazu. Bei Alpen, die das Allgäuer-Alpgenuss-Siegel tragen, können sie sich dabei sicher sein, dass regionale, teils direkt auf den Alpen produzierte Leckereien auf den Tisch kommen. Ganz im Sinne der traditionellen Alpwirtschaft setzt der Verein „Allgäuer Alpgenuss“ auf Werte wie Ursprünglichkeit, Qualität und Ehrlichkeit.

Eine gut bewirtschaftete Alpe weist im Vergleich zum Flachland einen viel höheren Strukturreichtum auf – und trägt so viel zur hohen Landschaftsqualität im Naturpark bei. Die Alpflächen sind durch die seit Jahrhunderten andauernde, nachhaltige Bewirtschaftung zu Zentren der Artenvielfalt geworden. Allein auf einer Alpe im Gunzesrieder Tal wurden 290 verschiedene Pflanzenarten bestimmt. Durch eine solche blütenreiche Alpwiese zu wandern, gehört zu den absoluten Höhepunkten einer jeden Frühsommertour.

Dabei ist bei den häufigen Begegnungen mit dem Alpvieh Rücksicht gefragt. Wer auf den Wegen bleibt, Abstand hält und respektvoll mit den Weidetieren umgeht, macht bereits vieles richtig. Für Mountainbiker gilt: Runter vom Gas! Bei unruhigen Tieren ist es zudem oft besser einen Umweg in Kauf zu nehmen. Vorsicht ist geboten, wenn unruhige Rinder mit den Hufen scharren, den Kopf heben und senken, schnauben oder muhen. Dann bewegt man sich am besten langsam und stetig aus der Gefahrenzone, ohne den Tieren den Rücken zuzuwenden.

Was nicht gut zusammenpasst, sind Hunde und Rinder. Die Weidetiere nehmen Hunde oft als Bedrohung war. Hundebesitzer sollten ihre Vierbeiner deshalb an der Leine halten und so verhindern, dass sie den Herden zu nahe kommen. Sollte es doch einmal zu einem Angriff durch ein Rind kommen, muss der Hund sofort von der Leine gelassen werden. So kann er den Attacken ausweichen. Als Hundebesitzer kommt man dann auch nicht zwischen die Fronten. Und bitte immer daran denken: Hundekot hat auf Alpflächen nichts verloren.

Egal ob Sportler oder Erholungssuchende, wer sich an die oben aufgeführten Tipps und Verhaltensempfehlungen hält, trägt viel dazu bei, konfliktreiche Situationen in den Bergen zu entspannen. Davon werden nicht nur Wild- und Weidetiere profitieren, sondern auch alle Naturbegeisterten, die ihre Freizeit gerne im Naturpark verbringen: Ganz im Sinne eines guten Miteinanders von Mensch und Natur bleibt so genügend Platz für uns alle!